Irene Lindenberg: Landtagswahl- Analyse einer Sachsen- Anhalterin mit DDR- Migrationshintergrund
Da haben wir den Salat!
Nicht, dass es mir ausgesprochen Spaß macht, Recht behalten zu haben; doch rede ich seit Jahren davon, dass meine Angst vor der Größe der Nichtwähler- Partei größer sei als die vor einer rechten.
Gleichzeitig war/ ist mir klar, dass gerade bei letztgenannter Partei alle Parteien, die im Landtag Sachsen- Anhalts vertreten waren, gleichermaßen versagt haben: Vergangene Wahlen wurden schon mit wachsenden Prozentzahlen für die Parteien als große Siege gefeiert, ohne zu berücksichtigen, dass die Wahlbeteiligung unter 50 % lag. Und da hatten wir noch keine Flüchtlinge im Land…
In den jetzigen öffentlichen Analysen wird die Flüchtlingsproblematik häufig als Alleinstellungsmerkmal für das Ergebnis der Wahlen dargestellt. Das ist meiner Meinung nach zu kurz gegriffen und weist letzten Endes jemandem die Schuld zu, der ursprünglich nichts dafür kann, nämlich- zumindest in den Augen etlicher AfD- Wähler- den Flüchtlingen und der christlich- humanistischen Grundhaltung der Kanzlerin.
Die Ursachen liegen meiner Meinung tiefer und sind in früheren Zeiten zu suchen.
Als ich 2013 in Neunkirchen (Saarland) einen Wagen benutzte, der auch noch einem Taxi- Unternehmer namens Honecker gehörte, entspann sich zwischen dem Fahrer und mir folgender Dialog, nachdem er mitbekommen hatte, dass ich aus „Neu- fünf- Land“ stamme:
Er: „Nun macht mal was gegen die Regierung. Ihr wisst doch, wie das geht!“
Ich gab ihm zu bedenken, dass wir lediglich ein knappes Viertel der deutschen Bevölkerung ausmachten…
Die große Unzufriedenheit begann also schon weit vor der Flüchtlingskrise.
Die Bankenkrise war „überstanden“ und die meisten Bürger hatten begriffen, dass der Staat mit ihren Steuergeldern gerettet hatte. Nur wurden die Steuerzahler vorher nicht gefragt, sondern lediglich ihre Volksvertreter, so funktioniert das eben in einer Stellvertreter- Demokratie. Ähnlich übergangen fühlen sich mehrheitlich die Wähler bei den Themen Waffenexporte und Einsatz der Bundeswehr außerhalb der Landesgrenzen. Nicht wenige erfasst auch ein Unbehagen bei der Nato- Gefolgschaft und der meist daraus resultierenden Außenpolitik Russland gegenüber.
Diese und noch andere Unzufriedenheiten kulminierten in den Pegida- u.ä. Bewegungen, wo man eben obengenannten „Schuldigen“ gefunden zu haben glaubt.
Sicher, die von mir erwähnten Themen sind durchweg bundespolitische. Das tat aber den Aktivitäten der AfD keinen Abbruch, auf der Welle der angestauten Unzufriedenheiten in die Landtagswahlen zu gehen und wie wir unschwer erkennen können, mit Erfolg!
Nun heißt es für uns Linke wegzukommen von widerlichen Selbstbetrachtungen oder gar
–bemitleidungen, um für uns endlich zu erkennen und umzusetzen: Wenn wir, unsere Friedenspolitik in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellend, uns untereinander friedlich, respektvoll und kameradschaftlich verhalten, dann wird es eher gelingen, unsere Wähler davon zu überzeugen, wie wichtig uns unser Anliegen Frieden ist.
Nicht mehr und nicht weniger!
„Die Entwicklung geht vom größeren zum geringeren Blödsinn.“ (Friedrich Engels)
