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Ein Kreuz mit dem Unrechtsstaat DDR

Peter Kroha

Ein Leserbrief im nd

Es ist schon ein Kreuz mit dem Unrechtsstaat DDR. Viele nehmen es den Genossen in Thüringen verständlicherweise übel, dass sie sich - wie auch immer - zu diesem Begriff bekannt haben. 

Für Menschen, die an die Idee einer gerechten sozialistischen Gesellschaft geglaubt und ihre ganze Kraft für die Verwirklichung ihres Traumes eingesetzt haben (nach den furchtbaren Ereignissen vor 1945 ein allzu verständlicher Traum), ist es schwer zu akzeptieren, in einem Unrechtsstaat gelebt und gearbeitet zu haben.

Andererseits müssen wir die Menschen verstehen, denen Unrecht angetan wurde, durch subjektive Entscheidungen Einzelner, durch Willkür und Verachtung. Für diese Menschen mag es tröstend sein, dass es diesen Begriff gibt. Und wenn wir die Chance haben, Regierungsverantwortung zu übernehmen, müssen wir auch bereit sein, Kompromisse einzugehen. Anders ist Politik nicht machbar. Verweigern wir uns, werden uns viele nicht mehr wählen – warum auch.

Wir müssen akzeptieren, dass Unrecht geschehen ist; viel Unrecht sogar, und wir müssen akzeptieren, dass das Scheitern der sozialistischen Idee unvermeidbar war, auch wegen vieler vermeidbarer Fehler. Akzeptieren müssen wir diesen Begriff jedoch nicht, zumal damit ganz etwas anderes gemeint ist: Aus bürgerlicher Sicht war die DDR sehr wohl ein Unrechtsstaat, und zwar in dem Sinne, dass sie gar nicht hätte existieren dürfen. Aus ihrer Sicht haben wir das größte Unrecht begangen, das man sich denken kann; die Todsünde sozusagen: Wir haben uns am dem bürgerlichen Eigentum vergriffen; wir haben die Produktionsmittel in Volkseigentum überführt und damit den Kapitalismus abgeschafft. Das wird man uns nicht verzeihen, auch in 100 Jahren nicht.

Dass wir diese Chance letztlich nicht nutzen konnten, ist bitter; schlimmer als mit diesem Begriff  leben zu müssen.

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