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Der Hässlichkeit keinen Raum geben

Von Maria Barsi

Tröglitzer wehren sich gegen Fremdenhass und Missgunst

„Wir sind ein unbarmherziges Volk geworden‘“, sagte Susanne Nierth bei einem der Friedensgebete,
zu der ihre Kirchgemeinde seit dem 18. Januar jeden Sonntag in die Kirche zu Burtschütz einlädt.

Das winzige Dorf ist ein Ortsteil von Tröglitz in der Gemeinde Elsteraue, das mittlerweile traurige Berühmtheit erlangt hat, weil sich dort ausgerechnet auf dem „Friedensplatz“ seit geraumer Zeit Sonntag für Sonntag Leute treffen, die gegen die Unterbringung von voraussichtlich 40 Flüchtlingen und/oder Asylbewerbern ab Mai dieses Jahres protestieren. Organisiert wird das von einem Zeitzer NPD-Mitglied und seinen Gesinnungs-genossen, die auch aus Sachsen und Thüringen herangebracht werden.

Nicht nur Gift und Galle wird von dort aus über das Dorf versprüht. Mittlerweile gibt es auch Morddrohungen gegen Markus Nierth, der als ehrenamtlicher Ortsbürgermeister zurücktrat, um seine große Familie zu schützen. Denn er, obwohl auch besorgt, setzte sich für Gelassenheit in Erwartung der Ankömmlinge ein, für sachliche Gespräche, für Toleranz. Dabei hatte er freilich nicht mehr seinen gesamten Ortschaftsrat im Rücken, fühlte sich von der Gemeindeverwaltung im Stich gelassen und erst recht von der Landkreisverwaltung. Was da alles im Detail passierte und schief ging, ist seit Wochen Thema im Funk und Fernsehen, füllt nationale und internationale Zeitungen.


Die Basisorganisation der LINKEN in der Elsteraue ist seit November, seit dem Bekanntwerden der
voraussichtlichen Einquartierung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Tröglitz, mit Markus Nierth im
Gespräch. Ihre Mitglieder haben keine Berührungsängste mit Kirchgemeinden. Dass am 15. März
auch viele GenossInnen quer durch den linken Kreisverband mit in die Burtschützer Kirche zu einem ökumenischen Friedensgebet kamen, gab all jenen Kraft, die sich vor Ort mit Fremdenhass und
Missgunst, aber auch mit berechtigten Sorgen und Befürchtungen der Tröglitzer Einwohner
auseinandersetzen.

Das kann nur in vielen Einzelkontakten erfolgen – vor und nach den Friedensgebeten, in Zusammenkünften der wenigen Tröglitzer Vereine und der Senioren, in Nachbarschaftsgesprächen und bei Begegnungen auf der Straße. Und das nicht nur in Tröglitz, sondern in der gesamten Gemeinde. Jeder dort, wo er ist. Damit wir „dieser ganzen Hässlichkeit keinen Raum geben“, wie es die Frau von Markus Nierth ausdrückte.


Das muss man eben nicht nur im Rahmen von Gegendemonstrationen tun, wie sie von manchen
gefordert werden, auch wenn diese im Allgemeinen medienwirksamer sind. Darum geht es aber nicht.
Es geht darum, Flüchtlingen und Asylbewerbern einen Platz zu geben, wo sie zur Ruhe kommen und
ihr Leben neu aufbauen können. Und es geht darum, dass ihre deutschen Nachbarn mit ihnen und
nicht gegen sie leben, ihre Mitmenschlichkeit nicht verleugnen und erkennen, welche Bereicherung für
das eigene Leben auch von Fremden kommen kann. Wenn sie es zulassen. Eine Sache, die
mindestens zwei Seiten hat.

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