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Thomas Lippmann

CDU-Pläne für das Gymnasium schädigen Schulsystem und Wirtschaft nachhaltig

Nach Informationen der Volksstimme und der MZ vom Wochenende gibt es in der CDU offenbar Pläne, den Zugang zum Gymnasium nach der 4. Klasse stärker zu beschränken und somit mehr Schüler:innen zum Besuch anderer weiterführender Schulen zu zwingen. Dies solle über eine Verbindlichkeit der Schullaufbahnempfehlungen der Grundschulen und ggf. über strengere Vorgaben für die in der 4. Klasse erreichten Leistungen oder über eine Aufnahmeprüfung erreicht werden. Die CDU verspricht sich davon eine Stärkung der Sekundarschulen und mehr Bewerber:innen für handwerkliche Berufe. Dazu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:

»Mit diesen Plänen aus der bildungspolitischen Mottenkiste würde die CDU genau das Gegenteil von dem erreichen, was ihr offenbar vorschwebt. Wenn mehr Schüler:innen zwangsweise in die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen gepresst werden, für die es ja kaum Lehrkräfte gibt, würde der Absturz im Unterrichtsangebot für alle Schüler:innen an diesen Schulen beschleunigt und verstärkt. Das würde nicht die Zahl der künftigen Handwerker steigern, sondern die Schulabbrecherquote auf neue Höchststände treiben.

Es ist bildungspolitisch und sozial verantwortungslos, den Kindern im Alter von 10 Jahren die Bildungswege abzuschneiden. Es ist pädagogisch verantwortungslos, die Kinder, deren Eltern und die Lehrkräfte in einen Wettbewerb um das Bestehen von Tests und Aufnahmeprüfungen zu treiben, der spätestens in der 3. Klasse beginnen würde. Druck auf Testergebnisse statt Freude am Lernen wird mehr gebrochenen Schulkarrieren hervorbringen und viele Schüler*innen schon im Grundschulalter resignieren lassen.   

Das Ergebnis bei Umsetzung dieser CDU-Pläne wäre ein Fiasko – noch weniger Schüler:innen mit einem Hochschulzugang und noch mehr Schüler:innen ohne Schulabschluss bzw. mit schwachen Leistungen, die für eine erfolgreiche Berufsausbildung in anspruchsvollen Berufen in der Industrie aber auch im Handwerk nicht ausreichen. Der Fachkräftemangel würde weiter verschärft und dadurch die Wirtschaft des Landes nachhaltig beeinträchtigt. Sachsen-Anhalt würde sich selbst den Weg zu einem Land der Innovation und Hochtechnologie versperren.

Sachsen-Anhalt braucht für seine wirtschaftliche Entwicklung nicht nur mehr Handwerker, sondern auch mehr Lehrkräfte, Ärzt:innen, Ingenieur:innen, Informatiker:innen und Wissenschaftler:innen. Dafür hat das Land schon heute in der ganzen Republik die wenigsten jungen Leute, die über ein Abitur oder eine Fachhochschulreife verfügen. Das Gebot der Stunde ist deshalb nicht weniger, sondern mehr höhere Bildung!

Seit 30 Jahren versucht die CDU, die Sekundarschulen zu stärken – vergeblich! Mit ihrer Politik einer möglichst frühen und möglichst scharfen Selektion im Schulsystem trägt die CDU die Verantwortung dafür, dass die Sekundarschulen als ungeliebte Schulform ein Schattendasein fristen. Die Sekundarschulen können nicht durchgreifend gestärkt werden, sie müssen als Schulform unter dem Gymnasium überwunden werden.

Im Übrigen gab es eine verbindliche Schullaufbahnempfehlung in Sachsen-Anhalt bereits – in den Schuljahren 2007/08 bis 2013/14. Das Ergebnis war, dass damals noch mehr Schüler:innen als zuvor nach der 4. Klasse die Gymnasien besucht haben, weil die Grundschulen deutlich mehr Empfehlungen für das Gymnasium ausgesprochen hatten.«