"Tag des freien Buches" am 10. Mai jeden Jahres

erinnert an die NS-Bücherverbrennungen vor 93 Jahren

1933 brannten in Deutschland an mindestens 93 Orten in 70 Städten Bücher, oft wilde Aktionen im Kontext politischen Terrors.

Die Hitler-Jugend (HJ) plünderte Schulbüchereien, zündelte auf Schulhöfen. Schwarze Listen kursierten, der traditionsreiche Börsenverein unterschrieb devote Ergebenheitserklärungen. Selbstanpassung und NS-Gleichschaltung wirkten, als zersetzend gebrandmarkte Bücher wurden entfernt.

Die Aktionen im Mai 1933 zielten auf privaten Buchbesitz, auf Volks- und Leihbüchereien. Ausführende: Die Deutsche Studentenschaft (DSt), NSDStB und Burschenschaftler, unterstützt von völkisch eifernden Bibliothekaren. Immer dabei: Die SA, die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP.

In zwölf Thesen wider den undeutschen Geist und Feuersprüchen wurden die Feindbilder deutlich: „jüdisches Schrifttum“, Liberalismus, Internationalismus, Marxismus, Pazifismus, zeitgenössische Psychologie, kritischer Journalismus, das moderne Frauenbild, die Vielfalt der Weimarer Republik.

Auch in Berlin brannten am 10. Mai 1933 Bücher. 10 000 Zentner (!) wurden von der politischen Polizei beschlagnahmt für das ritualisierte Spektakel auf dem Opernplatz. Um 23 Uhr brannten die Scheiterhaufen – mit Büchern von Heine, Luxemburg, Ossietzky, Tucholsky, Marx, Mühsam, Toller, Mann, Zweig, Kästner, Baum, Remarque, Kisch und vielen anderen.

"Lesen wider das Vergessen"

eine gemeinsame Veranstaltung gesellschaftlicher Kräfte Naumburgs und des Burgenlandkreises
Harald Uske

Mit der Veranstaltung "Lesen wider das Vergessen" erinnert Naumburg seit 2015 jährlich an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten, dieses Jahr im Rahmen der Naumburger Theatertage vor dem Marientor am 16. Mai 2026. 

Initiiert wurde diese gemeinsame Lesung anfangs, also von 2015 an, vom Kreisverband Die Linke Burgenlandkreis. 

Gemeinsam mit dem Naumburger Bündnis für Demokratie, dem Theater Naumburg, dem Domgymnasium, der Freien Schule im Burgenland "Jan Hus, der Kreismusikschule, der Stadtbibliothek, der Gutenberg-Buchhandlung, mit Vertretern des DGB, demokratischer Parteien, der Kirchen und dem Naumburger Tageblatt wurden jährlich Ausstellungen von verbrannten Büchern organisiert und vor allem Leserinnen und Leser aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen gewonnen.

Dankenswerterweise wurde die Initiative für die Vorbereitung und Durchführung der gemeinsamen Aktion “Lesen wieder das Vergessen” nach der Corona-Epidemie und nach unserer Anfrage und Bitte von der Freien Schule im Burgenland “Jan Hus” übernommen. 

Wir freuen uns, dass unser Kreisverband  sich zwischenzeitlich mitgliederzahl- und -altersmäßig gut erholt hat, sodass wir uns zukünftig wieder verstärkt einbringen können, wohl nicht mehr als Initiatoren, weil die Schule das gut macht, aber als aktive Mitmacher. 

Dieses Jahr lasen Mina Vondran vom Domgymnasium, Stafan Hilffert vom Förderverein Bibliothek, der Intendant des Theaters Naumburg Stefan Neugebauer, die Pfarrerin Christina Lang, Selina Eichstädt von der Freien Schule im Burgenland “Jan Hus”, der Historiker Hauke Heidenreich, Catarina Caetano da Rosa vom Nietzsche-Dokumentationszentrum, der Naumburger Oberbürgermeister Armin Müller und der Landrat Götz Ulrich aus Büchern von Franz Werfel, Elisabeth Langsässer, Kurt Tucholski, Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Anna Seghers u.a. Muskialische Beiträge lieferten Mario Zoll und Jürgen Perl, Irina Krümmling und Richard Rudat von der Freien Schule im Burgenland “Jan Hus”.