106 Jahre Kapp-Putsch
Heute vor 106 Jahren – am 13. März 1920 – versuchten rechte Generäle und Industrielle, die sozialdemokratische Reichsregierung zu stürzen, um eine Diktatur zu errichten. Hintergrund war die Unzufriedenheit vieler Kapitalisten mit den in der Novemberrevolution erkämpften sozialen Errungenschaften für Arbeiterinnen und Arbeiter. Der Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Wolfgang Kapp führte den Putsch gemeinsam mit Generalleutnant Walther von Lüttwitz an. Hinter ihnen standen weitere Industrielle und Teile der alten Elite des Kaiserreichs.
Kapp und Lüttwitz ließen nationalistische Paramilitärs – sogenannte Freikorps – auf Berlin marschieren. Viele dieser Paramilitärs trugen bereits das Hakenkreuz auf ihren Helmen. Die Führung der Reichswehr weigerte sich, gegen die Putschisten vorzugehen. Die sozialdemokratische Reichsregierung floh von Berlin nach Stuttgart.
Wolfgang Kapp erklärte sich selbst zum neuen Reichskanzler. Doch in der Zwischenzeit formierte sich die Arbeiter*innenbewegung. Viele waren enttäuscht vom Verrat der SPD im Zuge des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution. Dennoch wussten sie, dass ein rechter Putsch eine konkrete Bedrohung für die erkämpften Errungenschaften darstellte.
In der Arbeiter*innenklasse verankerte Parteien wie SPD, USPD und später auch die KPD sowie die Gewerkschaften riefen zum Generalstreik auf. Am darauffolgenden Tag war das öffentliche Leben lahmgelegt:
• kein Eisenbahnverkehr
• keine Straßenbahnen oder Busse
• keine Post
• keine Zeitungen
• Fabriken und Behörden geschlossen
Insgesamt beteiligten sich 12 bis 15 Millionen Beschäftigte am Generalstreik. Es war der größte Generalstreik in der deutschen Geschichte. Der Streik machte den Putschisten schnell die Aussichtslosigkeit ihres Unternehmens deutlich. Der Putsch brach nach fünf Tagen zusammen. Die Geschichte zeigt, welche Gegenmacht Arbeiter*innen entwickeln können, wenn sie sich zusammenschließen. Die Tragik der deutschen Geschichte ist, dass 1933 kein Generalstreik gegen Hitlers Machtübernahme zustande kam.
Das sollte uns für die Zukunft mahnen.

