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„Leben im ländlichen Raum“ -linke Lösungsansätze

Fluch und Segen - Probleme und Potentiale

Elke Stier schreibt:

Der Einladung unseres Kreisverbandes zur Veranstaltung „Leben im ländlichen Raum“ in der Jugendherberge in Nebra folgten ca. 60 Bürgerinnen und Bürger.

Interssiert folgten sie anfangs den Ausführungen Wulf Gallerts, MdL Sachsen-Anhalt und Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE, als dieser grob die Probleme im ländlichen Raum umriss, einen Bezug zur derzeitigen Realität herstellte und die Ziele der LINKEN in Sachsen-Anhalt erläuterte, die u.a. in der Erhaltung von Kitas und Schulen, der Beseitigung des Lehrermangels, im Erhalten von Polizeirevieren und in der Ausbildung von Polizeikräften bestehen. Er unterstrich, dass zur Vermeidung der weiteren Abwanderung der Menschen aus den ländlichen Räumen unbedingt eine funktionierende Infrastruktur  erforderlich sei. All das sei finanziell möglich, man müsse es nur wollen und andere Schwerpunkte setzen als die derzeitige Landesregierung.

Dr. Johanna Schering-Wright, MdL Thüringen und Sprecherin für Agrarpolitik und regionale Entwicklung der Fraktion DIE LINKE, legte anschließend die Lösungsvarianten der LINKEN zu den Fragen Biodiversität, Industrie und Landwirtschaft hervorragend dar. Sie zeigte auf, wie man durch Dezentralisierung von Nahrungsmittelindustrie Arbeitsplätze im ländlichen Raum schaffen und dabei Löhne zahlen kann, von denen man leben kann und wie durch die Verteilung der Förderungen sinnvoll vorgegangen werden kann. Sie kritisierte den Landkauf durch nicht-landwirtschaftliche Investoren und zeigte die verheerenden Folgen für die Landwirtschaft auf und ging auf die ständigen Pachtpreis- und Kaufpreiserhöhungen des Produktionsmittels Boden durch die BVVG und die Rolle der jetzigen Regierung ein. DIE LINKE, ebenso wie die Vorgängerpartei PDS habe immer wieder Anträge in den Bundestag eingebracht, die Privatisierung von ehemaligen volkseigenen Boden zu stoppen und den Boden entweder in Ländereigentum zu überführen oder im Bundeseigentum zu belassen. Dies sei durch die Mehrheiten im Bundestag immer wieder abgelehnt worden. Sie ging auch auf Fragen des Tourismus im ländlichen Raum ein und machte deutlich, dass dieser nur in einer Region Erfolg haben kann, die"lebt".

Hans-Jörg Krause, MdL Sachsen-Anhalt und Sprecher für Agrarpolitik und ländliche Entwicklung der Fraktion DIE LINKE, hatte es anschließend verstanden, die genannten theoretischen Positionen mit der aktuellen Situation in Sachsen-Anhalt an konkreten Beispielen sehr anschaulich darzulegen und zu verbinden. Er berichtete, dass sich Bauern zusammengeschlossen hätten in Vertriebsgenossenschaften und Ihre Produkte selbst vermarkten würden, dass Wochenmärkte noch mehr genutzt werden sollten, um die erzeugten Produkte direkt zu verkaufen. Das Produktionsmittel Boden, welches endlich sei, müsse erhalten werden für die nachfolgenden Generationen. Eine gerechtere Umverteilung der Fördermittel in Sachsen-Anhalt sei unbedingt notwendig. DIE LINKE mache sich auch deswegen gegen die  Landesregierung stark. Er sagte, nicht die Straathofs und Nooren mit ihrer Schweineindustrie dürfen im Mittelpunkt der Förderung und in der Gunst der Politik stehen, dies müssen die Landwirte mit ihrer Produktion und der Vermarktung ihrer Produkte. Wer nachhaltige Landwirtschaft betreibe, müsse gefördert werden. Es muß endlich eine Übereinstimmung geben zwischen Feldbau und Tierhaltung. Nur so könne ein ökologisches Gleichgewicht zwischen landwirtschaftlicher Produktion und der Natur hergestellt werden.

Die anschließende Fragestunde wurde von den Bürgern rege genutzt. Für alle Anwesenden war es ein gelungener Abend. Leider waren diejenigen, die es eigentlich besonders betrifft, unsere Landwirte, eher  spärlich vertreten. Ich meine es hat den Anschein, dass die Mehrheit unserer Landwirte mit der jetzigen Politik zufrieden ist und keine Veränderungen oder neue Sichtweisen ihrer Produktion braucht und  sie weiter wursteln wollen wie bisher, dass sie den Straathof und Nooren das Feld überlassen wollen und diese sogar als Landwirte ansehen. Es sind aber keine Landwirte, sondern Industriebetriebe, die weder die Umwelt, die Menschen noch die Tiere interessiert. Diesen Betreibern geht es nur um ihre Gewinnmaximierung zu Lasten unserer Landwirte, der Menschen und der Tiere. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, indem sie die Haltungsbedingungen gleich setzen. Das ist falsch! Die Haltungsbedingungen sind entscheidend! Existenziell wichtig ist es, den Zusammenhang von Tierhaltung und umliegender bewirtschafteter landwirtschaftlicher Fläche zu betrachten.

Mit dieser Veranstaltung sind wir unserem Ziel näher gekommen, linke Lösungen in der Politik den Bürgern nahe zu bringen. Wir haben aufgezeigt, dass

  • es zu der jetzigen Politik Alternativen gibt, die sich auch realisieren lassen,
  • nicht der Extraprofit im Mittelpunkt stehen darf, sondern die Menschen, die im ländlichen Raum leben,
  • Raubbau und kurzfristige Gewinnmaximierung das Produktionsmittel Boden vernichtet bzw. den Konzernen wie Monsanto, Pioneer und Syngenta Tür und Tor in Deutschland öffnet,
  • Abhängigkeiten unserer Landwirtschaft von diesen Konzernen verhindert werden müssen und dies nur mit einer nachhaltigen, vielfältigen  Landwirtschaft erfolgen kann. Dafür steht DIE LINKE.

Wer  sich weiterhin von der jetzigen Regierung "hinter die Fichte führen" lassen will, dem ist nicht zu helfen. TTIP und CETA werden das Übrige tun, um eine Art brasilianische Verhältnisse in der Landwirtschaft auch in Deutschland zu etablieren.

Dank an Petra Hörning, Schatzmeisterin unseres Kreisverbandes , Abgeordnete des Kreistages und des Gemeinderats Elsteraue für ihre souveräne Moderation der Veranstaltung.

 Es war ein sehr informativer Abend. Im Gespräch bestätigten mir einige Teilnehmer, dass es ein lehrreicher und gut gestalteter Abend war und die Teilnahme sich gelohnt habe.