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900 Menschen beim Ostermarsch gegen Kriegsspiele

Auch Lokalpolitiker über Parteigrenzen hinweg gegen Schießen im Zeitzer Forst

Von Maria Barsi

Der Widerstand gegen den Neubau einer zwanzig Millionen Euro teuren neuen Schießanlage für die Bundeswehr im Zeitzer Forst ist ungebrochen. Das war am Ostermontag einmal mehr ersichtlich, trotz der dritten Rücknahme der Genehmigung des entsprechenden Bundeswehr-Antrags durch den Landrat des Burgenlandkreises. Von Anfang an strotzten die Unterlagen der Bundeswehr von Ungereimtheiten, fehlten ganz entscheidende Teile unter anderem bezüglich Fauna und Flora dieses kleinen und einzigen zusammenhängenden Waldgebietes nahe der Stadt Zeitz.

Der Standortälteste der Geraer Pionierkaserne, hatte vergnatzt reagiert. Im Grunde wurde alles wieder zurückgenommen, was in zähen Verhandlungen schon einmal möglich war, zum Beispiel außerhalb der Übungstage der Militärs einen Rundwanderweg am Rande des Waldes betreten zu dürfen. Die Begründung ist immer dieselbe: Gefahr für Leib und Leben im gesamten Forst, zum Beispiel wegen alter Munition all überall. Nichts desto Trotz wird der Wald durch das Bundesforstamt bewirtschaftet, werden dort Bäume geerntet, fahren schwere Militär- und Forstfahrzeuge nicht nur auf den Wegen, finden eben in diesem Naturschutzgebiet Drückjagden für auserwählte Jäger statt.

Doch vielen der nach Angaben des Veranstalters, der Bürgerinitiative „Kein Schuss im Zeitzer Forst“,  rund 900 Menschen, die sich am Ostermontag nach einer Kundgebung am Schlagbaum in Richtung Waldspielplatz Breitenbach in Bewegung setzten, geht es um mehr als nur um die Gnade, einen Rundwanderweg  ihres Zeitzer Forstes betreten zu dürfen. Und auch um mehr, als ihrem Ärger über die Arroganz mancher Bundeswehr-Offiziere Luft zu machen. Auf vielen farbenfrohen Plakaten kam es zum Ausdruck: „Kriegsbasis Gera-Hain schließen!“, „Das Osterei ist versteckt! Der Krieg ist verreckt! Frieden ist voll korrekt!“ oder „Investiert in unsere Kinder, nicht in Schießanlagen“. Und so betonte auch Oliver Wendenkampf, BUND-Landesgeschäftsführer: „Ich will die Bundeswehr mit ihrem Schießplatz nicht nur hier nicht haben, sondern nirgendwo in Deutschland.“ Und Wulf Gallert, im Landtag Fraktionsvorsitzender DIE LINKE, bekräftigte: „Wir wollen uns nicht daran gewöhnen, dass die Bundeswehr immer mehr öffentliche Räume, Geld und Ressourcen verbraucht, um Krieg zu üben.“ Im Übrigen zeigte er sich bewegt, dass sich in dieser Sache Lokalpolitiker wie der ehemalige Zeitzer Bürgermeister Dieter Kmietczyk, der Bürgermeister der Gemeinde Gutenborn Uwe Kraneis, Landratskandidatin und Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Zeitzer-Droyßiger-Forst Manuela Hartung und viele andere mit der Bürgerinitiative und über die Parteienzugehörigkeiten hinweg gemeinsam einsetzen. Das sei nicht selbstverständlich in Sachsen-Anhalt.

Wenn an den Fahrzeugen der Bundeswehr auch „Wir dienen Deutschland steht“, so war Uwe  Kraneis doch auch das wichtig: „Wir dienen auch Deutschland!“ Und wenn gleich die Genehmigung zum Bau der Schießanlage bereits dreimal erteilt und dreimal zurückgenommen worden sei, so sei sie damit nicht erledigt. Darin war er sich einig mit Dietmar Weihrich von Bündnis 90/Die Grünen, der sich sicher war, dass die Sache nicht vom Tisch ist, auch wenn die Bundeswehr bisher nicht in der Lage zu sein schien, einen genehmigungsfähigen Antrag zu stellen. Und jedenfalls las Dieter Kmietczyk nicht im Kaffeesatz, als er verkündete: „Die militärische Nutzung des Zeitzer Forstes wird von uns nicht toleriert werden.“