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Volkstrauertag 2013

Peter Kroha, Fraktionsmitglied im Gemeinderat Naumburg, Fraktionsvorsitzender im Ortschaftsrat Bad Kösen , stellv. Vorsitzender des Stadtverbandes Naumburg und Vorsitzender der Basisorganisation Bad Kösen spricht zu den Anwesenden:

Hier seine Rede am Bad Kösener Denkmal für die Opfer des Faschismus als wichtigen Beitrag zu einer differenzierten Betrachtung des Volkstrauertages:

Wir gedenken heute der vielen Millionen Menschen, die Opfer zweier verbrecherischer Weltkriege und der faschistischen Rassenideologie geworden sind. Millionen Menschen sind  verfolgt, zur Sklavenarbeit gezwungen, in furchtbarster Weise misshandelt, verschleppt und ermordet, die besetzten Gebiete sind in beispielloser Weise zerstört oder ausgeplündert worden.

„Wir erinnern uns an nicht enden wollende Grabreihen, an Soldatenfriedhöfe, die Baracken und Leichenberge der Konzentrationslager, an zerbombte Städte, gedemütigte Menschen, zerfetzte Leiber, verbrannte Landstriche, Flüchtlingstrecks, ausgemergelte Menschen hinter Stacheldraht ...

Der Volkstrauertag darf sich aber nicht in der Rückschau erschöpfen. Er ist ein sehr aktueller Gedenktag, den wir brauchen. Er schützt vor dem Vergessen und Verdrängen. Er mahnt uns, aus den Schreckensbildern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Gegen Krieg und Gewalt - für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit."

(Geleitwort zum Volkstrauertag 2011, Reinhard Führer Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V) 

Eben standen wir vor dem Denkmal, das die Gefallenen der beiden Weltkrieges ehrt. Überall gibt es  solche Denkmäler, die oft auch als Kriegerdenkmäler bezeichnet wurden. Und dabei ist das Wort Krieger mit dem Wort Held in Verbindung gebracht worden. 

Können Soldaten Helden sein ? 

Ist der Satz von K. Tucholsky: „Soldaten sind Mörder!“ gerechtfertigt ? Schwer erträglich ist er allemal. Aber auch die Erinnerung an die furchtbaren Leiden und die Zerstörungen ist schwer erträglich.

Wir sollten wir uns daran erinnern, dass es zwei Arten von Kriegen gibt. 

Werden Soldaten auf das „Feld der Ehre“ geführt, um für die Ziele der jeweils Herrschenden zu kämpfen, zu leiden und zu fallen, kann man sie schwerlich als Helden bezeichnen, auch wenn ihr Einsatz oft als heldenhafter Kampf mit Gott, für König, Volk und Vaterland gefeiert wurde bzw. wird. Sie sind gezwungen oder verführt worden oder haben sich geopfert für eine vermeintlich notwendige oder richtige Sache! Sie sind Opfer einer verbrecherischen Politik – keine Helden! 

"Der Krieg, wo er nicht erzwungene Selbstverteidigung, sondern ein toller Angriff auf eine ruhige, benachbarte Nation ist, ist ein unmenschliches, ärger als tie­risches Beginnen, indem er nicht nur der Nation, die er angreift, unschuldiger­weise Mord und Verwüstung drohet, sondern auch die Nation, die ihn führet, ebenso unverdient als schrecklich hinopfert. Kann es einen abscheulichern An­blick für ein höheres Wesen geben als zwei einander gegenüber-stehende Men­schenheere, die unbeleidigt einander morden?"

( J. Gottfried Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität, 1793-1797) 

Können Soldaten Helden sein? 

Sie können Helden sein, wenn sie aufopferungsvoll ihr Land, ihre Kultur, alles, was ihnen lieb und wert ist, verteidigen! 

Dieser Menschen haben wir gedacht und werden ihrer stets gedenken, weil sie Widerstand gegen die faschistische Ideologie und die militaristische Eroberungspolitik geleistet haben. Diese Menschen waren für uns Helden. 

Das Denkmal, vor dem wir stehen, beweist: Wir haben uns um eine differenzierte Wertung bemüht, indem wir der Opfer und der Helden gedachten. 

Der Opfer, die - gezwungen oder im Glauben, das Notwendige tun zu müssen oder zu wollen - gekämpft und gefallen sind und der Helden, die sich der Furie Krieg und dem Rassenwahn widersetzt und uns den 8. Mai, den Tag der Befreiung, ermöglicht haben. 

Gegenwärtig versucht man uns weiszumachen, dass Auslandseinsätze, die der Unterstützung unserer NATO-Bündnispartner die­nen, nichts mit Krieg zu tun haben und dass Deutschland eine führende, wirtschaftliche Rolle in Eu­ropa habe und daher auch ei­ne führende Rolle in Sachen Militäreinsätze anstreben müsse. 

„Wo geschossen wird, wo es Tote gibt, da ist Krieg. Wo Krieg ist, regiert die Gewalt, die wiederum Gegengewalt und Vergeltungsakte pro­voziert. Das war so, das ist so- wie die jüngsten Beispiele im Irak und Afghanistan zeigen -  und das wird auch so bleiben.“

( Duvnak, Susann  nd  19.12.12) 

Ich möchte  einen Kommentar im „nd“ vom 15.06.2012  zitieren: 

„Herr Gauck hat die Bundeswehr jüngst bei einem Besuch der Führungsakademie mit Lobpreisungen wie „Friedensmotor“ und „Stütze der Freiheit“ »geadelt«. Und zwar ausdrücklich für deren Kampfeinsätze fern der Heimat, wie am Hindu­kusch, wo im Krieg, in den die Bundeswehr seit über zehn Jahren verwickelt ist, unzählige Männer, Frauen und Kinder den Tod fanden. Gerade hier, so der Präsi­dent, hätte die Bundeswehr bewiesen, »dass sie nicht nur dort Krieg führen kann«, sondern fähig ist, die Waffen weltweit sprechen zu lassen. Man traut seinen Ohren nicht, denn das sagt ein Mann, der zu DDR-Zei­ten die Losung »Schwerter zu Pflugscharen« verfocht. 

Was für ein Gesinnungs­wandel! Was für eine Front­stellung aber auch gegen die Mehrheit der Deutschen, die ihr Land nie wieder in Krie­ge verwickelt sehen wollen. Angesichts dessen wirkt es auf mich geradezu grotesk, dass Herr Gauck es fertig bringt, der Nationalen Volksarmee der DDR nega­tiv anzukreiden, dass sie nicht die »Leistungen« auf­weisen kann, die von der Bundeswehr mit ihren Kampfeinsätzen vollbracht wurden und werden.“  

Wir werden uns auf neue Kriege einstellen müssen. Unsere Meinung dazu ist klar - und dabei sollten wir auch bleiben- auch wenn Herr Gabriel meint, dass wir LINKEN deshalb nicht koalitions- und regierungsfähig seien. 

Deshalb sind Tage wie der heutige, Tage des Gedenkens und Erinnerns, wichtig.

Am Gedenkstein für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges wurden die Anwesenden durch die stellvertretende Bürgermeisterin Bad Kösens, Frau Jacqueline Kreisel, begrüßt. Die Gedenkrede hielt hier der in Bad Kösen wohnhafte Kirchenhistoriker, Herr Prof. Dr. Maser, der zum Schluss alle dazu aufforderte, auch das Mahnmal für die Opfer des Faschismus mit aufzusuchen.