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Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Gedenkveranstaltung an der Mauer des Naumburger Stadtparks

Zum Gedenken der Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft am 27. Januar  hatte die Stadtverwaltung von Naumburg auch auf Initiative der Partei DIE LINKE die Bürgerinnen und Bürger von Naumburg eingeladen. Zahlreiche Teilnehmer waren der Einladung gefolgt. Der Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Herr Gerd Förster, mahnte in seiner Ansprache, insbesondere auch angesichts neofaschistischer Aktivitäten, wachsam zu sein und Erscheinungen rechtsradikaler Haltungen im Alltag entschieden entgegen zu treten.

Johannes Konopka erinnerte in seiner Ballade von den Gänseblümchen an schreckliche Schicksale unschuldiger Opfer der Nationalsozialisten.

Der Präsident des Lions Clubs Naumburg / Saale nahm die Gedenkveranstaltung zum Anlaß, stellvertretend zwei Schülerinnen der 9. und 10. Klasse der Freien Schule Burgenland einen Spendenscheck über 500 Euro zur Unterstützung ihrer Fahrt in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz, welches Nazideutschland auf polnischem Territorium errichten ließ, zu überreichen.

Nicht hoch genug ist es zu werten, dass Lehrer dieser Schule wiederholt eine Fahrt für ihre Schüler in das KZ Auschwitz organisieren.

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Gedenkveranstaltung in Weißenfels

Gen. Hans Klitzschmüller:

Der 27. Januar 2013 in Weißenfels 

Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, wurde im Jahre 1996 in der Bundesrepublik Deutschland als Gedenktag für die Opfer des NS-Regimes ins Leben gerufen. Die nationalsozialistische Ideologie kehrte sich bewusst vom Denken der Gleichheit aller Menschen ab und unterteilte sie nach rassistischen Kategorien in "lebenswert" und "lebensunwert". Unter dieser Maßgabe verfolgten und ermordeten die Nationalsozialisten millionenfach Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie geistig und körperlich Behinderte.

Die ersten Opfer der Barbarei waren jedoch die politischen Gegner, die besonders unter Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftern und einfachen Arbeitern zu finden waren. 

Darum entstanden die ersten Schutzhaftlager unmittelbar nach dem die Nazis die Macht übernommen hatten. Oder soll man treffender sagen: bis ihnen die Macht durch die immer noch mächtigen Eliten des militanten Kaiserreichs in trauter Verbundenheit mit dem Großkapital, zur Lösung der für sie offenen Probleme aus dem verlorenen Weltkrieg, der Novemberrevolution und aus der ungeliebten Weimarer Republik, übertragen wurde. Frühere Versuche, auch der Putsch unter Kapp und Lüttwitz waren am Widerstand der Arbeiterschaft gescheitert.

Jetzt wollte man die Sache einem rücksichtslosen Judenhasser und Weltbeherrscher in spe übertragen. Der sollte jetzt endlich "Ordnung" in Deutschland und der übrigen Welt schaffen. Die Mehrheit der Deutschen ist diesen Zielen gefolgt. Sie haben erst bei Wahlen, später durch aktive Teilnahme an der Durchdringung der gesamten Gesellschaft geholfen, die Menschheit in die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges mit all ihren Folgen zu stürzen. Das ist die besondere Verantwortung der Deutschen auch heute noch. 

Auch das barocke Schloss Neu Augustusburg in Weißenfels wurde zweckentfremdet und war eines der ersten Gefangenensammellager. Hier wurden von März bis August 1933 bis zu 200 Männer unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten. Sogenannte Umerziehungsmaßnahmen entschieden auch darüber, welche Behandlung, bis hin zur Verbringung in die Vernichtungslager, die herausgefilterten Menschen erwarteten. 

Dem zu gedenken, traf sich eine Gruppe unterschiedlicher  Menschen am Denkmal der Opfer des Faschismus im Thälmannpark in Weißenfels. Der Oberbürgermeister, Herr Robby Risch, hatte zusammen mit dem Simon-Rau-Zentrum zu dieser Veranstaltung eingeladen. Die größte Gruppe stellten linke Lokalpolitiker und Sympathisanten. Vertreter anderer Fraktionen des Stadtrates, der evangelischen Kirche und weitere Bürgerinnen und Bürger bekundeten ebenso mit ihrer Anwesenheit, die Opfer nicht zu vergessen. 

Der Oberbürgermeister erwähnte in seiner Rede auch die jüngsten Ereignisse in Weißenfels als sich die Stadt gegen eine Nazi-Demonstration zur Wehr setzte, viele vorher ihre Solidarität mit den Nazigegnern schriftlich bekundeten aber dann doch nicht persönlich zur Stelle waren, um persönlich Präsenz gegen die braune Bande zu zeigen. 

Uta Bernecker vom Vorstand des Simon-Rau-Zentrums machte mit ihren Worten unter anderem noch einmal deutlich, dass es falsch ist, die Opfer zu gruppieren und zu bewerten. Besonders verwerflich fand sie, daß „Opfer“ heute schon ein Schimpfwort in der Bedeutung von „Looser“ ,also Verlierer, ist. 

Anschließend wurden Blumengebinde niedergelegt und mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. 

Danach lud das Simon-Rau-Zentrum zu einer Übergabe von zwei im Museum unserer Stadt gefundenen Schächtmessern aus dem Besitz von Simon Rau. Die Herkunft war auf der Verpackung deutlich angebracht. Werner Bergmann erkannte in dieser typischen Handlungsweise die Perversität des Vorgangs. Während die Menschen gequält und letztendlich vernichtet wurden, archivierte man ihre Besitztümer ordentlich und bewahrte sie auf. 

In diesem Fund liegt auch eine gewisse Brisanz und stellt eine Herausforderung dar, sich über andere Kulturen und Religionen zu informieren. Ab heute liegen diese Kultgegenstände in einer Vitrine und ergänzen die erst im Entstehen begriffene, bescheidene Sammlung des Zentrums über das jüdische Leben in Weißenfels. 

Nach dem Akt der offiziellen Übergabe gab es gute, manchmal auch kontroverse Gespräche zwischen den Anwesenden. Meinungen wurden ausgetauscht, diskutiert und es gab wieder einmal viel Stoff zu nachdenken. 

„Es darf nie wieder passieren, dass ein System über Leben und Tod entscheidet", so Uta Bernecker in ihrer kurzen Ansprache.