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Stefan-Heym-Lesung in Naumburg

“Einer, der nie schwieg“ lautete der Titel einer szenischen Lesung zu Leben und Werk Stefan Heyms anlässlich seines 100. Geburtstages.

Roland Claus (MdB) begrüßt die Gäste im Namen des Kreisverbandes des LINKEN und im seinem eigenen Namen
Roland Claus (MdB) begrüßt die Gäste im Namen des Kreisverbandes des LINKEN und im seinem eigenen Namen
Es lasen: Dr. Wolfgang Süß, Roland Claus, Dominik Weipert,....
Es lasen: Dr. Wolfgang Süß, Roland Claus, Dominik Weipert,....
...Karin Denk, Ida Brauer, Irene Lindenberg, Maria Barsi, Harald Uske und Peter Kroha
...Karin Denk, Ida Brauer, Irene Lindenberg, Maria Barsi, Harald Uske und Peter Kroha
Die Gäste verfolgten aufmerksam die vorgetragenen Texte
Die Gäste verfolgten aufmerksam die vorgetragenen Texte

Zusammengestellt wurde sie von keinem geringeren als Franz Sodann. Vorgetragen wurde sie nun am 28. Mai von Vertretern der LINKEN in Naumburg. Und die Initiatoren Dr. Wolfgang Süß und Roland Claus (MdB, DIE LINKE)) konnten kaum zufriedener sein – der Veranstaltungsraum des Naumburger Tageblatts war sehr gut gefüllt und die Vortragenden boten eine fehlerfreie Darbietung, die schließlich mit viel Applaus honoriert wurde.

Die bemerkenswerte Auswahl von Texten reichte von antimilitaristischen Texten Stefan Heyms aus den 1930er Jahren bis zu dessen kritischen Reflexionen über das fast ausschließlich westdeutsch geprägte vereinigte Deutschland reichte. Aber auch seine offene Kritik an den Fehlentwicklungen in der DDR kam nicht zu kurz.

Dabei zeigte sich, dass Heym zu den ganz großen, weitsichtigen Denkern seiner Zeit gehörte.

Bereits 1955 (!) machte er seiner Sorge Luft, dass eine deutsch-deutsche Wiedervereinigung nichts anderes darstellen würde als ein Aufkauf des Ostens durch den von den Alliierten finanzierten Westen (Berliner Zeitung, 9. Januar 1955).

Ähnlich seinen ungleich bekannteren Zeitgenossen George Orwell und Hannah Arendt warnte er stets vor Elementen totalitärer Herrschaft in vermeintlich freiheitlich-demokratischen Systemen: “[D]as Ganze war schon ekelhaft, verstehen Sie: Man wollte etwas Neues, Besseres schaffen, und das Alte kam an allen Ecken und Enden wieder hoch“ (Südkurier, Februar 1985). “Und man geht gegen diese Opposition sogar mit den gleichen Mitteln vor, wie sie früher von DDR-Medien benutzt wurden: mit unvollständigen Zitaten, die ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden und dem Nachfolgenden, […] und ausgerichtet nach politischen Zwecken, über die man sich ausschweigt – dabei aber triefend vor Moral. Guter, alter stalinistischer Journalismus (offener Brief an den SPIEGEL)“

Zum Abschluss der Lesung wurde die Bundestagsrede  Heyms vom 11. November 1994 als Video eingespielt. Auch hier bewies Heym einmal mehr seine Gespür fürs Detail und seinen Blick weit über den Tellerrand hinaus, als er vor der Bedeutung der bevorstehenden Aufgabe  mahnte: “Die Krise, in welche hinein dieser Bundestag gewählt wurde, ist nicht nur eine zyklische, die kommt und geht, sondern eine strukturelle, bleibende, und dieses weltweit. Zwar hat die Mehrheit der davon betroffenen Völker sich von der hemmenden Last des Stalinismus und Post-Stalinismus befreit. Aber die Krise, von der ich sprach, eine Krise nunmehr der gesamten Industriegesellschaft, tritt dadurch nur umso deutlicher in Erscheinung.“

1994 wollte dies noch niemand hören. Seit nunmehr fünf Jahren hören wir nichts anderes mehr.