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Tausende auf dem Weg zu Rosa und Karl

Der Süden Sachsen-Anhalts reiht sich in den Gedenkzug ein

 

Von Maria Barsi

Es war kalt an diesem dritten Januarsonntag in Berlin. Es muss wohl auch vor 94 Jahren kalt gewesen sein, als Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechtsextremen Freikorps-Soldaten misshandelt, ermordet und ihre Leichen geschändet wurden. Daran erinnerten auch in diesem Jahr wieder tausende Menschen in Berlin. Wie im vorigen Jahr auch hatte eine Genossin aus Halle einen Bus mit Zusteigestellen in Weißenfels, Merseburg und Halle organisiert und natürlich war der Burgenlandkreis mit dabei. In Halle freute sich dann die Organisatorin über einen fast voll besetzten Bus. Trotz des sehr frühen Starttermins besonders für die Teilnehmer aus der Zeitzer Ecke, trotz der Kälte. Leider wiederholte es sich, dass sie am Frankfurter Tor in Berlin im wahrsten Sinne mit fliegenden Fahnen aus dem Bus springen mussten, denn der Zug hatte sich mit rund viertausend Demonstranten schon zur Gedenkstätte der Sozialisten in Bewegung gesetzt. Doch bis zur Gedenkstätte auf dem Friedhof Friedrichsfelde hatte, wer gut zu Fuß war, die Spitze des Zuges eingeholt und den Vorteil, die ganze politische Bandbreite der Teilnehmer auf sich wirken zu lassen, zumal sich auf dem Weg nach Friedrichsfelde immer mehr Menschen einreihten. Nach persönlichem Empfinden liefen im Vorjahr mehr Demonstranten die ganze Strecke mit. Wer aber glaubte, dass die Jugend aufgrund einer alternativen „LLDemo“ des Jugendbündnisses „Rosa und Karl“ zum Landwehrkanal, in den die Mörder die beiden Politiker einst warfen, bei der traditionellen Demonstration fehlten, dass „die Alten“ sozusagen unter sich bleiben würden, sah sich aufs Angenehmste getäuscht. Das Gegenteil war der Fall und die Brandenburger „solid“-Jugend zum Beispiel reagierte schon leicht gereizt auf die zum x-ten Mal verwundert gestellte Frage, warum sie hier und nicht dort mitmarschieren: eine Spaltung sei in dieser Sache schon gar nicht mit ihnen zu machen. Auffällig viele migrantische Gruppen waren mit dabei, mehr als sonst. Besonders viele Kurden und Basken und ganz besonders viele Kurdinnen mit Fotos der drei erst vor wenigen Tagen in Paris ermordeten kurdischen Frauenaktivistinnen. Da wurde beim Stillen Gedenken dann auch bitterlich geweint, als ältere Demonstrantinnen junge Kurdinnen in die Arme nahmen, so nahe am Gedenkstein für Rosa Luxemburg. Zum Ende hin freilich wurde das Stille Gedenken durch eine Gruppe bekennender Stalinisten mit Kampfliedern und -parolen lauthals gestört. Das nahm die allgegenwärtige Polizei zum Anlass, mit einer Hundertschaft in die Gedenkstätte hineinzurennen, „um die verfeindeten Lager zu trennen“, wie einer der Bereitschaftspolizisten lächelnd erklärte. Dort blieben sie bis zum Schluss. Dass die Polizei den ovalen Gedenkraum zwischen der steinernen Einfassung quasi besetzt hält, habe sie noch nie erlebt, sagte eine leicht fassungslose ältere Hamburgerin, die seit Jahren zu diesem Gedenken nach Berlin fährt. Wie viele aus ganz Deutschland, mit denen man im Anschluss an vielen Informations- und Verkaufsständen ins Gespräch kommen konnte. Einigen Ostfriesen zum Beispiel, aber auch einer großen Gruppe Jugendlicher, die am Freitag schon mit dem Zug aus „hinter Stuttgart“ angereist waren, um sich auf den Spuren von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu bewegen. Der Demonstrationszug und das Stille Gedenken waren für sie ein sehr beeindruckender Abschluss dieser Reise. Zehn Stunden im Doppelstock-Bus lagen danach vor ihnen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf konnten auch die Teilnehmer aus dem Burgenlandkreis die mehr als dreistündige Bus- und Autofahrt wegstecken.