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Mit dem Bus zur Luxemburg-Liebknecht-Ehrung nach Berlin

„Da fahre ich nicht mit, da sind ja nur alte Leute“, hatte mir einige Tage zuvor ein junger Genosse gesagt, als ich ihn fragte, ob wir uns denn bei der Luxemburg-Liebknecht-Ehrung in Berlin sehen würden. Er hätte sich gewundert, wenn er denn mit mitgefahren wäre. In der Tat überwogen zwar die höheren Lebensalter in dem Bus, der um 6.30 Uhr in Weißenfels mit Zusteigestellen in Merseburg und Halle losfuhr, aber unter den 19 Mitfahrern allein aus dem Burgenlandkreis waren auch junge Erwachsene und ein Jugendlicher. Und im Tausende Menschen zählenden Demonstrationszug zur  Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde schien sich Jung und Alt durchaus in der Waage zu halten.

Es war kalt, aber sehr sonnig, die Polizei war zwar allgegenwärtig, hielt sich aber deutlich  zurück und so war die Stimmung prächtig. Natürlich musste jeder damit leben, dass vor, neben oder hinter ihm möglicherweise Parolen gerufen wurden, die nicht unbedingt mit der eigenen Meinung übereinstimmten. Das linke Spektrum ist nun einmal sehr breit und das muss man aushalten, wenn man an einer solchen Demonstration teilnimmt. 

Das gemeinsame Gedenken an die vor 93 Jahren ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, zu dem die LINKE wie jedes Jahr aufgerufen hatte, wurde in der Gedenkstätte von Musik Johann Sebastian Bachs untermalt. Blasmusik, kämpferische Lieder, lautstarke Werbung für die verschiedensten politischen Positionen waren der Straßendemonstration vorbehalten und sollten auf dem Vorplatz zurückbleiben. Das klappte nicht  ganz, aber wer dem besinnlichen Gedenken den Vorrang vor einem schnellen Abwerfen einer roten Nelke an den Gedenksteinen gab, konnte das durchaus tun. 

Es brauchte halt Zeit, denn der Andrang war wirklich groß. Wer Kontakte suchte oder diskutieren wollte, der hatte im Anschluss auf dem Vorplatz ausreichend Gelegenheit dazu: an Ständen der LINKEN, von Gewerkschaften,  Kommunisten, Spartakisten, Trotzkisten, antifaschistischen Initiativen, Zusammenschlüssen ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger und jungen Menschen, die sich als Revolutionäre verstehen.

Dazu stellten sich Tageszeitungen vor, alternative Verlage, Solidaritätsinitiativen und Antiquariate. Da gab es so viele Anregungen mannigfaltiger Art, dass besonders die Hallenser um Marianne Böttcher vom Stadtverband Halle, die die Busfahrt organisiert hatte, bei der Heimfahrt heftig über die Tätigkeit in ihren Basisverbänden und die Einbeziehung beziehungsweise Gewinnung junger Menschen in die praktische politischen Arbeit diskutierten. Rosa Luxemburg, zeit ihres Lebens eine ausgesprochen streitbare Politikerin, hätte es gefreut.

Text: Maria Barsi

Bilder: Frank Weidauer