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Gedenkveranstaltung zum 92. Jahrestag der Niederschlagung des Kapp-Putsches in Bad Kösen

Rede Peter Krohas, Vorsitzender der Basisorganisation Bad Kösen, zum Gedenken an die Opfer des Kapp-Putsches in Bad Kösen:

Geschichte wiederholt sich zuweilen doch, und deshalb ist es wichtig, dass wir heute hier sind.

Am 13.03.1920 haben erzkonservative, um nicht zu sagen reaktionäre Kräfte unter Führung von Dr. Kapp einen Putsch gegen die junge Demokratie der Weimarer Republik angezettelt.

Der Versuch, auch in Deutschland Demokratie zu praktizieren, war diesen Kräften zutiefst verhasst, die sozialen Errungenschaften der November-Revolution waren ihnen ein Dorn im Auge.

Sie hassten die regierende Partei SPD, die sie als deutschfeindlich und pazifistisch diffamierten, sie verurteilten nicht nur das Diktat des Friedensvertrages von Versailles, sondern sehnten die Monarchie zurück.

Ihr Ziel war es, die „ aus volksfremden Anschauungen dem deutschen Volke aufgezwungene, von zersetzendem jüdischen Geist durchdrungene Revolutionsverfassung von Weimar“ zu beseitigen, das politischen Systems zu stürzen und die Verhältnisse der Bismarck-Zeit wieder herzustellen.

Dieser Putsch war nicht der einzige Versuch konservativer Kreise, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, denken wir nur an die  Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, an den  Putschversuch durch Papst 1919 und durch die beiden Versuche  von Kapp,  1919 mithilfe des Militärs eine „nationale Erhebung zu organisieren.

Bei der Niederschlagung des Putsches  spielte Mitteldeutschland eine große Rolle. Halle, Merseburg, Weißenfels und Zeitz waren die Zentren der Arbeiterklasse. Naumburg war eine  Beamten- und Pensionärsstadt und – neben Weißenfels und Zeitz - ein bedeutender Garnisonsstandort.

Es verwundert daher nicht, dass z. B. in Naumburg den Putschisten  eine  starke Resonanz und Sympathie entgegen gebracht und  eine Bürgerwehr gebildet wurde, dass sich in Weißenfels die  Sicherheitspolizei auf die Seite der Putschisten stellte und den Bahnhof sowie die Post besetzte.

Es ist der Arbeiterklasse hoch anzurechnen, dass sie sich mutig, konsequent und mit vereinter Kraft der Reaktion entgegen stellte. 

Schon am 13.03. wurde zum Generalstreik aufgerufen, in Naumburg kam es zu bewaffneten Kämpfen bei dem Versuch, die Bürgerwehr zu entwaffnen und in Weißenfels stürmte die Arbeiterwehr den  Bahnhof und entwaffnete die Sicherheitspolizei.

Obwohl der Putsch schon am 17.03. niedergeschlagen war, gab es in Naumburg erbitterte Kämpfe, die sich dann auch nach Bad Kösen verlagerten. Am 19.03. – also gestern vor 92 Jahren – wurden hier 12 Arbeiter durch aus Weimar zurückgekehrte Naumburger Jäger  erschossen – ermordet – hingerichtet. So wie die 10 Menschen, die von der Gruppe National Sozialistischer Untergrund ermordet, hingerichtet wurden. 

Auch gegenwärtig gibt es Kräfte, die das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen, die rassistische, menschenverachtende Ziele verfolgen, ausländerfreie Räume schaffen und die demokratischen Verhältnisse abschaffen wollen.

Dass sie nicht mehr überall marschieren und ihre Parolen brüllen dürfen, ist vielen mutigen und demokratiebewussten Menschen zu verdanken, die sich trotz Wasserwerfern, Pfeffersprays und Strafverfolgung den Neonazis entgegen gestellt haben, bis sogar die Stadtverwaltung von Dresden am 13.02. dieses Jahres bereit war, die Blockaden zu tolerierten.

So war der 17.03.1920 wie auch der 18.02.2012, als sich die Nazis in Dresden nicht mehr blicken ließen, ein Sieg. Damals gab es eine kämpferische Arbeiterklasse, in diesem Jahr einen Konsens vieler friedlich und demokratisch gesinnter Menschen. – Das lässt hoffen.